Wo der Westen den Osten küsst

 
18Dezember
2013

Nach fast 4 Monaten...

Ich werde immer wieder gefragt, warum ich nicht länger hierbeiben will, was mich denn eigentlich "zurückziehe"... 
Irgendwann fängste an drüber nachzudenken, was und warum du "es" eigentlich vermisst...
Nicht Deutschland vermisse ich,
dieses Land ist auch heute noch getrennt!
Berlin, Hamburg... und dann der ganze, irgendwie seltsame, CDU/CSU wählende Rest...

Es ist diese Stadt wie nichts Anderes, die mich festhält und an mir zerrt weil Sie ehrlich ist, zynisch, provokant und bisweilen ekelhaft.
Weil du nur hier immer das Beste und das Schlechteste zu sehen bekommst. Eine Kompromisslosigkeit wie Sie einzigartig ist auf der Welt.
Weil diese Stadt die beste Musik kennt, produziert und spielt. Weil Sie verträumt, melancholisch und unwirklich, doch stetig im Wandel vor sich hin fließt und obwohl nur 3,5 Millionen Einwohner, wie der Schmelztiegel eines ganzen Universums wirkt.
Jedes Wochenende rotzt Sie dir ins Gesicht und klatscht dich aufs Pflaster, doch wirst du nirgends einen Ort finden, an dem du freier sein kannst und darfst. Nur hier bedeutest du etwas, bist Teil einer individualistischen, arroganten Boheme, die sich und Anderen nie zu genügen scheint und doch immer Ihre Daseinsberechtigung findet. Wo Kohlen, Autos und Besitz scheiß egal sind, solange du zu leben verstehst. Weil Sie Geburtsstätte und Grab des echten, hedonistischen Lebens ist. Mit der Muttermilch aufgenommenes Verständnis dafür, hinter die Kulissen zu blicken und sich verdammt nochmal zu INTERESSIEREN!
Berliner Schnauze ist kein Dialekt, es ist Weltbild, Weltverständnis und stetiger, passiver Aktivismus!

Jaaa... weil es dir wirklich um die Menschen geht, du das gute Leben zu zelebrieren verstehst und dich jede Sekunde veränderst, deshalb will ich zurück zu dir!
Weil du mit deiner Ehrlichkeit und deinem Charme mein Herz schon vor Jahren für immer gewonnen hast , mir einen Platz zum Atmen schenkst und ich mich nirgends in besserer Gesellschaft fühle als inmitten deiner alten, flachen Häuserdächer und dreckigen Clubs! <3

28Oktober
2013

Terrakotta Armee

Da es hier gerade 00.00 Uhr ist, das Internet Cafe gedenkt zu schließen/ mich rauszuschmeißen und dieser Ausflug nicht wirklich Überraschungen bereithielt, nur ein paar Bilder.
Viel mehr als Prestige hat dieser Ort auch nicht zu bieten.
Eine Ausgrabungsstätte, die jeder schon mal auf einem Foto irgendwo gesehen hat und die zu den touristisch überlaufendsten Plätzen in China gehört!



Am Abend gönne ich mir zum einzigen Mal auf dieser Reise etwas Luxus. Ich habe einen Flug zurück nach Hangzhou gebucht. Aus 18 Stunden Zugfahrt werden dadurch 1h 45m Flug. Da ich der einzige Westler im Flugzeug bin, bietet mir eine der Stewardessen fünf Minuten vor dem Start einen Platz in der nicht ausgebuchten "first class" an, natürlich ohne Zuzahlung.
SO sollte jede Reise zu Ende gehen, nicht so:

Hotel am Flughafen

Normalerweise wäre jetzt der richtige Zeitpunkt für nostalgische Trauer, Hangzhou bietet einfach keinen Vergleich zum Rest des Landes!
Gott sei Dank steht mir die größte Reise meines Lebens erst noch bevor und am 15.11. werde ich Sie antreten...

27Oktober
2013

Plank walk!

Seit ich damals auf Pro7 Klaas dabei zusehen durfte
wie er sich seiner Höhenangst stellte, bin ich angefixt!
Dieser "plank walk" oder auch "gefährlichste Klettersteig der Welt" hat es mir angetan.
Etliche Recherchen im Internet und an die 2 Jahre später, bin ich nun tatsächlich in China und dieser Gebirgszug liegt nur 100 Kilometer von mir entfernt. Verdammt, mich zieht es zu diesem Ort wie die Made zum Speck und den Glühwurm zur Funzel!

Heute ist es soweit, Ciaran und ich stehen vor dem Eingang zum Mt. Huashan, einem Berg, der eigentlich aus 5 Gipfeln besteht und nur über teilweise Jahrhunderte alte Treppen zu begehen ist (oder 2 neue Seilbahnen aus Frankreich). Wir kaufen unser Ticket und beschließen mit der Seilbahn zum Nordgipfel zu fahren um von dort aus gemütlich in 2 Stunden zum Südgipfel und dem sich in direkter Nähe dazu befindlichen "plank walk" zu schlendern. 

Mt. Huashan


An der Seilbahn angekommen, fällt uns schnell ein seltsam auffälliges Denkmal unlängst der Station auf, das wir näher begutachten. Es markiert den ehemaligen Weg auf den Gipfel, einen alten Soldatentrack. Wir wären nicht wir, wenn wir nicht aufgrund dieses Anblicks auf der Stelle unsere Meinung über den geplanten Aufstieg ändern würden. Als weit und breit die Einzigen, beginnen wir den Aufstieg zu Fuß!

Startpunkt: 1000m
Endpunkt: 2159m
Treppenstufen:7800

Denkmal Links der track Der Beweis Die ersten Stufen Die ersten Stufen

Schnell wird uns und unseren nassen T- shirts klar, dies wird keine einfache Tour!
Aber die Eindrücke gleichen jede Anstrengung mühelos aus und nach 1 1/2 Stunden, eine Stunde vor der Zeit, erreichen wir den ersten Gipfel, den north peak.

Weg alte Teilstücke, quasi senkrecht im Fels Das Tal Weg

Von dort geht es weiter, streng bergauf an weiteren Gipfeln vorbei bis zum South peak.
Nach guten 3 Stunden erreichen wir sichtlich erschöpft den Ausgangspunkt für den Klettersteig.



Nach einer kurzen Pause auf einer der modernen Sanitäreinrichtungen,

Klo mit Loch ins Nichts

stürzen wir uns in den Klettersteig!

Einstieg 1. Teil

Aufgrund der Olympischen Spiele 2008 und den zu diesem Zeitpunkt beschlossenen touristischen Erschließungen einiger Gebiete, ist der Klettersteig heute leider nichts Besonderes mehr. Man muss sich jedoch vorstellen, bis 2008 gab es hier keine Sicherungen, kein Geschirr und keine Drahtseile, nur die lose baumelnden Stahlketten und die 1300m tief reichende, senkrechte Wand. Viele Menschen starben auf diesem kurzen Stück Weg im Lauf der Geschichte, zumal Huashan auch im Winter geöffnet ist! ^^

 

Einer der großartigsten Tage meines Lebens endet mit der entspannten Gondelfahrt zurück ins Tal und einem herrlichen Sonnenuntergang, der uns dorthin begleitet.

26Oktober
2013

Xi´an

17:30 Uhr bin ich eingeschlafen. 15 Stunden später, um 8.30 Uhr erwache ich aus dem Koma. Die Sonne lacht mich an und auf die Minute genau erreichen wir Xi´an, die letzte Station meiner Reise. Knapp 4000 Kilometer habe ich bereits auf dem Buckel, Halsschmerzen haben sich auf dem Weg angeschlossen. Ignorieren viel mir noch nie so leicht.

Xi´an entspricht am ehesten der westlichen Idee einer chinesischen Stadt. Das Zentrum ist touristenfreundlich abgesteckt, durch eine wunderschön erhaltene und restaurierte Stadtmauer und an jeder Ecke paaren sich Neubauten mit klassischer Architektur.

Stadtmauer

 

Nach einigem Suchen finde ich ein schnuckeliges Hostel und fall fast vom Stuhl als man mir den Preis mitteilt. 40 Yuan, was ungefähr 5 Euro für eine Nacht entspricht. Ich liebe China...
Den Rest des Tages verbringe ich mit Gammeln und dem Ausleihen eines Fahrrads, um bequem auf eigene Faust die Stadt erkunden zu können. Am Abend lerne ich Ciaran kennen. Er kommt aus Australien und ist 20 Jahre alt. Schnell merken wir, dass wir die selben Ziele haben und beschließen, die nächsten Tage gemeinsam loszuziehen.

Xi´an und Mr. Fahrrad  Hostel Hostel Ciaran und Hostel Ciaran

25Oktober
2013

Datong, Afghanistan

Pünktliche Züge sind etwas Feines.
23:51 Uhr fährt mein Nachtzug Richtung Datong.
6:03 Uhr soll ich mein Ziel erreichen, lediglich 400 Km liegen zwischen mir und dem nächsten Stop.
Das erste Mal "hard seat", eine neue Erfahrung. Keine Gute wie sich herausstellt.
Jeweils eine 3er Reihe Sitze, ohne Armlehne oder andersartige Trennung, wie die Rückbank eines alten Caddilacs. Man sollte sich mögen, sitzt man nebeneinander. Es ist laut, es wird geraucht und man ist umgeben vom Prekariat. Ein Großteil der chinesischen Bevölkerung ist vom Aufschwung in den urbanen Räumen immer noch weitestgehend isoliert geblieben. Wanderarbeiter prägen öffentliche Räume wie Züge. Menschen die in vielen Fällen weder des Lesens noch Schreibens mächig sind. Nur mit einem Jutesack und Ihrem zahnlosen Lächeln bewaffnet, sitzen Sie mir gegenüber, spucken, schreien und amüsieren sich.

Als ich in Hangzhou 3 Tage zuvor gestartet bin, waren noch zarte 25° C. Auch in Peking waren es durchaus angenehme 18° C. Was jedoch diese Nacht passiert, damit habe ich nicht gerechnet. Lediglich ein Pullover und eine Sommerjacke befinden sich in meinem Gepäck, jetzt in der Nacht werden es draußen plötzlich Minusgrade und die Heizung im Zug funktioniert nicht. Außerdem sitze ich in der ersten Reihe, direkt hinter dem Klo und unsere Waggontür lässt sich nicht schließen.
Eigentlich wollte ich in den nächsten 6 Stunden schlafen, da ich in Datong nur den einen Tag habe, um gleich 2 großartige Orte zu besuchen.
JETZT FRIERE ICH MIR DEN ARSCH AB!!!!!!
An Schlaf ist nicht zu denken, es zieht, es ist höllisch kalt und meine Sommerjacke ist ein Witz. Das Einzige was mich tröstet sind die unzähligen, offensichtlich mit mir leidenden Chinesen um mich herum. Sowas habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt. 6 Stunden Fahrt bei eisiger Kälte, ohne die Möglichkeit irgendetwas dagegen unternehmen zu können.

Als ich morgens um 6 endlich aus dem Zug steige, haben sich meine Schultern in schmerzende Bleikugeln verwandelt, außerdem habe ich Muskelkater vom Zittern.
-6° C zeigt mir der Feind, das Thermometer an. Ich merke wie meine Instinkte übernehmen. Ich denke nicht mehr nach, setze nur noch einen Fuß vor den Anderen auf der verzweifelten Suche nach einem warmen Ort. Ich spüre meine Füße in den Turnschuhen nicht mehr. In der Bahnhofshalle dann ein wenig Linderung, immer noch schweinekalt aber wenigstens kein Wind mehr.
Neben mir zittert eine Gruppe Spanier, die einzigen Westler um mich herum, müde vor sich hin als ein Chinese auf uns zukommt und mich auf Englisch anspricht. Er sei ein "tourguide" und könne uns das "hängende Kloster" und die "Buddha Grotten" mit eigenem Mini Van anbieten. Desweiteren hätte er ein warmes Büro in dem man sich aufwärmen könnte.
Erwähnte ich bereits, dass zu diesem Zeitpunkt meine Instinkte übernommen hatten? Ich höre nur warmes Büro, löse innerhalb einer Sekunde mein "hard sleeper" Ticket nach Xi´ an und schreie: "JA, ich hier... bin dabei!"
Die Reaktion der erschlagenen Spanier fällt ähnlich aus und so trottet unsere frierende Gruppe zu seinem Büro.

Unsere Tour stellt sich als echter Glücksfall heraus. 100 Yuan (12€) zahlt jeder von uns für einen Wagen samt Fahrer, der uns innerhalb eines Tages zu den beiden Plätzen fährt, für die ich hergekommen bin.
16:40 Uhr fährt mein nächster Nachtzug. 1400 Kilometer in eine der beliebtesten chinesischen Städte, Xi´an. Erneut werde ich 16 Stunden unterwegs sein. Lächerliche 30 Euro hat mich diese Fahrt gekostet.
Kaum sind wir 5 Minuten im warmen Auto unterwegs, ist jeder unserer 7- köpfigen Truppe eingeschlafen. Ich sitze in der Mitte, leicht vornüber gebeugt und sabber glücklich schlafend vor mich hin...

Nach 120 Kilometern erreichen wir unser erstes Ziel, das hängende Kloster. Die Bilder die ich zuvor von diesem Ort sah, haben mich dermaßen fasziniert, dass der Wunsch es mit eigenen Augen zu sehen am Ende die Oberhand gewonnen hat.
Eingebettet in eine marsähnliche Umgebung, strahlt es doch eine gewisse, erhabene Atmosphäre aus. Ein magisches Gebilde.


Der zweite Pflichttermin wenn man nach Datong reist, sind die Buddhagrotten. Eine verschlafene Stunde später, erreichen wir den Eingang.

 

Während ich mich zum Ausgang begebe merke ich, wie die Müdigkeit mich umfängt. Nach nunmehr 32 Stunden ohne Schlaf, fühle ich mich völlig am Ende. Voller Vorfreude auf mein Miniaturbettchen im Zug, lasse ich mich vom Fahrer zum Bahnhof fahren, verabschiede mich von den Spaniern, die noch einige Tage in Datong verbringen wollen und begebe mich in den Wartesaal des Bahnhofs. Wie immer wird der Zug pünktlich kommen und mich zur letzten und schönsten Etappe meiner Reise eskortieren.

24Oktober
2013

Überlebenstraining

7:00 Uhr, der Wecker klingelt. Ich liebe es im Urlaub früh aufzustehen. Für meinen 2. Tag in Beijing habe ich mir etwas ganz Besonderes vorgenommen. Kein Sightseeing, sondern einen Ausflug. Mein Mitbewohner hat die richtigen Knöpfe bei mir gedrückt und mich hungrig gemacht, auf einen scheinbar magischen Ort, 2 Stunden außerhalb der Stadt.

Longqingxia Längster Aufzug der Welt

"Longqingxia", das Tal des Drachen, scheint ein fantastisches Stück Land zu sein und einen unbedingten Besuch wert, mehr als die große Mauer oder die Innenstadt. Desweiteren ist dieser Ort in keinerlei tourguide oder Buch zu finden und soll, zumindest außerhalb der Ferien so gut wie verlassen sein (der Traum eines jeden travellers). Also schwinge ich mich auf, zum Bahnhof Beijing north, um von dort mit der S2 nach Yanqing rauszufahren. Am Bahnhof der Schock, gefühlte 1000 Menschen wollen mit meinem Zug fahren, etwa alle zu meinem verlassenen Gebirgsfluss? 1 1/2 Stunden später des Rätsels Lösung: "Badaling", einer der bekanntesten begehbaren Mauerabschnitte, liegt auf dem Weg. Es ist nur schwer zu beschreiben, was ich als EINZIGER, neugierig beäugter, im Zug zurückbleibender Westler in diesem Moment empfinde!

Leider geht es von dort an nur noch bergab!
In Yanqing angekommen nehme ich ein Taxi raus, an den Rand des Gebirges zum Parkplatz, ungefähr 2 Kilometer vom wirklichen Eingang entfernt. Kein einziges Auto steht dort, ich habe das Gefühl meine Wenigkeit, der Taxifahrer und der Pförtner vor Ort sind die drei einzigen Menschen auf der Welt.



Mein Chauffeur erklärt mir umständlich, dass hier "Ende im Gelände" sei, zeigt mir die Richtung in die ich gehen soll und vermittelt mich weiter an den Pförtner. Dieser signalisiert mir, nachdem er mitbekommen hat dass ich die Sprache nicht beherrsche, ihm zu folgen, er würde mich fahren. (Er kopiert immer wieder ein Lenkrad mit seinen Händen) Also folge ich dem guten Mann. 5 Minuten später stehen wir vor einer Koppel. "Mr. Nice Guy" hält die Zügel eines gesattelten Pferdes. Mir schwant Übles aber jetzt steck ich schon zu tief drin. Innerlich appeliere ich immer noch an den guten Samaritergedanken des Mannes auch wenn ich es eigentlich besser weiß.



Es kommt wie es kommen muss, nach einem 5 Minuten Ritt von unglaublichen 1,5 Km Länge sind wir am Ziel und der gute Mann möchte bezahlt werden. Zu diesem Zeitpunkt führe ich Gott sei dank fast kein Geld bei mir, was es unmöglich macht, die geforderten 15! Euro für den "Ausritt" zu bezahlen. Nachdem mein Hirte die Problematik verstanden hat, nimmt er sich sauber die Hälfte meines Restgeldes ( 5 Euro) und reitet von dannen. Zu diesem Zeitpunkt ist es 13:00 Uhr und ich bin nur noch im Besitz von 5 Euro, was entweder für den Eintritt oder das Taxi zurück reichen würde.
Kein Problem, war alles Teil des Plans, du wolltest hier eh zum Geldautomaten.
Diesen gibt es auch wirklich, nur will er mir kein Geld geben. Ich bin seit 3 Stunden unterwegs, mitten in der Pampa, komme nicht an mein Konto und muss später noch einen Nachtzug erwischen:

JETZT HASTE STRESS!

In Deutschland ist es zu diesem Zeitpunkt 7 Uhr morgens. Ich schreibe an alle, die meine Bank anrufen könnten und warte. Nach einer Stunde die erste Reaktion, meine wundervollen, berufstätigen Eltern eilen zur Hilfe und scheitern klangvoll an der Autorisierungsbarrikade meiner Bank. Eine weitere Stunde später die rettende Idee in Form einer Telefonkonferenz über die ich erfahre, meiner Karte geht es gut, nur dem Bankomaten anscheinend nicht. Zu diesem Zeitpunkt geht es bereits auf 16 Uhr zu, resignierend beschließe ich ein Foto von meinem "Fastziel" zu machen und nach Hause zu fahren. Auf dem Rückweg fällt mir das Eintrittsschild ins Auge, auf dem ich nun lesen "darf":
"Studenten haben freien Eintritt". Ich tue so als hätte ich DAS niemals gesehen und mache mich auf den Rückweg...

Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch:
"Schlimmer kann es nicht mehr werden..."

23Oktober
2013

Entschädigung

In den ersten Momenten auf dem Bahnhof tue ich nichts weiter als atmen, tief einatmen und frieren.
Es ist kälter "hier oben", real wie gefühlt. Aber diese Luft... trocken und keine Ahnung, einfach nördlich. Eigentlich amüsant in Anbetracht der bewiesenermaßen katastrophalen Luftqualität Beijings. Doch ich genieße das gemäßigte Klima. Wie zur Bestätigung leuchtet der Himmel strahlendblau von oben auf mich herab.
Diese subtropische, feuchte Luft Hangzhous hat mich im Laufe der Zeit einfach mürbe gemacht.

Bahnhof Bahnhof

Als Erstes muss ich mich um meine Weiterfahrt kümmern, Zeit ist knapp, Geld sowieso also auf zum Ticketschalter, den Trip für die nächste Nacht buchen. Ach China du mein Freund, ein riesiger Bahnhof, dutzende von Ticketschaltern und kein Wort Englisch. Erstmal eine "toilt" suchen, Frustpullern und feststellen:

toilt

Bei den Chinesen ist jeder Tag "leg- day".

  JUST SQUAT!

Nachdem ich einen, der englischen Sprache mächtigen Chinesen gefunden habe, kaufe ich mein Ticket nach Datong. Leider gibt es nur noch "hard seat", die Holzklasse unter den verschiedenen Möglichkeiten. "Oh je" denke ich mir, beiße in den sauren Apfel und erfreue mich im Gegenzug am biligen Preis. 6 Euro für eine 6 stündige Fahrt und 400 Kilometer Strecke. Das soll mir erstmal jemand nachmachen.

Zum ersten Mal seit ich in China angekommen bin, fahre ich U- Bahn. Alle Linien sind zu jedem Zeitpunkt rammelvoll. Potenzielle Selbstmörder haben es schwer in der Hauptstadt! Es gibt Trennwände zwischen Zug und Bahnsteig, die erst öffnen wenn der Zug eingefahren ist. Irgendwie mag ich die Idee. Simpel aber effektiv.

Eingang U- Bahn U- Bahn Trennwand U- Bahnhof

Zuvor habe ich mir im Internet ein Hostel ausgesucht. Es liegt in einem der angesagtesten Bezirke Beijings. Alte, bis heute erhaltene "Hutongs" (enge Gassen) umschließen traditionell flache Gebäude, die gefüllt sind mit Restaurants, shops und Teehäusern.

Hutong Hutong

Das Hostel ist eines dieser Gebäude und liegt im Zentrum einer der bekanntesten Einkaufsstraßen. Lamatempel und verbotene Stadt sind nur einen Katzensprung entfernt. Zwar ist der Preis relativ hoch aber es lohnt sich! Definitiv eines der schönsten Hostels in denen ich jemals war. Und das dazugehörige Restaurant ist phänomenal. Westliche Küche gepaart mit chinesischer Kreativität. Zum ersten Mal seit Monaten fühle ich mich wirklich rundum wohl.

Hostel Terrasse Terrasse Restaurant Restaurant Restaurant Hostel Hostel      

Für den Nachmittag steht typischer Tourishit auf dem Programm, Schande über mein Haupt.
Tiananmen Platz, verbotene Stadt und Himmelstempel.
Sieht man von der Geschichtsträchtigkeit einmal ab, ist der Tiananmen nur ein großer langweiliger Platz und die verbotene Stadt zu voll und zu teuer.

Eingang verbotene Stadt Tiananmen Platz 

Der Himmelstempel samt dazugehörigem Park jedoch ist sein Geld durchaus wert. Ein weitläufiges, von Zypressen bewachsenes Fleckchen Erde, mit wunderschönen Tempelanlagen und diversen Möglichkeiten den Menschen auf einem der vielen Parkwege zu entkommen.

Himmelstempel Eingang Park Musste an Lassi denken Tempel Tempelanlage Gaben Hügel Hügel Hügel Osteingang Himmelstempel Park Tempel Weg

Am Abend schlender ich durch die diversen Hutongs, schaue mir die Auslagen an und wünschte mir innerlich, man könnte 200Kg Gepäck ins Flugzeug mitführen. Der Buddhist in mir jedoch übt sich in Verzicht auf alles Weltliche und bestaunt distanziert die Schaffenskünste des fernen, fernen Ostens.

OOOOOOHHHMMMMM!!!

22Oktober
2013

Reise mein Kind, reise!

Es ist 17:00 Uhr und ich stehe an der Bushaltestelle.
18:29 Uhr fährt der T32, ein Nachtzug, tief in den Norden, 2000 Kilometer nach Beijing in die Hauptstadt Chinas.
Und mein Bus kommt nicht...
Nach 30 Minuten obsiegt Faulheit, bestärkt durch realen Zeitdruck. Ein Taxi bringt mich, nach erfolgreich beendetem Sprachkampf, zum Bahnhof.
Es ist knapp geworden.
Halb rennend, stolper ich durch die Sicherheitskontrolle und den Gepäckcheck (an allen Bahnhöfen Normalität) und halte nach meinem Gleis Ausschau. Problemlos finde ich den richtigen Wagen und steige ein. Ich habe ein sogenanntes "hard sleeper" Ticket gebucht. 4 Kategorien gibt es:

- hard seat
- soft seat
- hard sleeper
- soft sleeper

Jedes Abteil verfügt über 6 Pritschen, auf dem Gang gibt es ausklappbare Sitze vergleichbar mit Denen, in Berliner U- Bahnen am Ende eines Waggons. In der ersten Minute wirkt die Aufteilung auf mich sehr beengend, im Laufe meiner Reise relativiert sich dieser Eindruck jedoch. Alles wirkt sauber, ich sehe keinen Grund die Bettwäsche in der Nacht nicht zu nutzen.

Hard sleep Abteil Meine Liege Der Gang

Witzig festzustellen, dass sich die Chinesen wirklich alle von Fertigsuppen aller Yum Yum ernähren. Passend dazu gibt es an beiden Seiten jedes Hängers heißes Wasser. Im Laufe der Reise kommt immer wieder Bahnpersonal vorbei und bietet mal Früchte, mal Getränke und richtiges Abendessen an. Am Ende entscheide ich mich für eines der Gerichte... ein Fehler, es schmeckt einfach nicht.
Eigentlich alles wie in Deutschland...

Arbeit Arbeit Der Kommunismus lacht Essen

21:00 Uhr schlafe ich zum ersten Mal ein, wache jedoch nur wenige Stunden später wieder auf. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein in dieser Nacht. Die Liegen sind hart und eng, keinerlei Komfort, Funktionalität beherrscht den Zug. Trotzdem öffne ich meine Augen am nächsten Morgen relativ erholt gegen 8 Uhr.

Es kribbelt in mir!
Dieses Gefühl unterwegs zu sein, noch dazu in einem Zug, dem Inbegriff romantischer Vorstellung vom Reisen, ist wundervoll!
Ich werde jede Minute jünger, ein 10 Jähriger der staunend aus dem Fenster schaut und versucht die Fremde zu durchdringen. Ich habe gerade halb Europa durchquert und das lässt mich immer wieder lächeln. Eine Stunde schaue ich der Sonne dabei zu wie sie langsam den Nebel besiegt, dann fange ich an meine Kraxe zu packen.
9:53 Uhr erreiche ich Beijing.

21Oktober
2013

Vorbereitungen

Morgen geht es also los!
Die erste Reise durch das 3. größte Land der Erde.
Lustige Dimensionen wird das Ganze haben, sollte mein Plan aufgehen.
Ungefähr 6000 Kilometer liegen vor mir, 70 Stunden werde ich in Zügen verbringen und am Ende lediglich 4 Orte besucht haben.
Willkommen in der Volksrepublik!

Erstes Ticket

14Oktober
2013

Hangzhou

Gesammelte Impressionen einer zweigeteilten Stadt...

 

 

 

01Oktober
2013

1 Monat

1. Oktober, es sind Ferien in China!

1 Woche lang mobilisieren sich 1,4 Mrd. Chinesen und drängen zu den beliebtesten  Ausflugszielen innerhalb des eigenen Landes. Man hat jeden Sonntag der letzten Wochen für diese freien Tage geschuftet, jetzt folgt Kompensation!
Wer schlau ist bleibt in dieser Zeit zuhause und widmet sich sinnvollen Tätigkeiten wie schlafen, Breaking Bad schauen oder an Blogs rumtippen. Wahlweise auch auf Berge steigen.
Heute habe ich den Aufstieg auf unseren Hausberg gewagt, nachdem ich schlussendlich einsehen musste, auf das "richtige" Wetter warten bringt einfach nichts. Smog beugt sich nicht der Sonne, also Kamera schultern und los! Diese verdammte Luftfeuchtigkeit lässt einen schon nach 100 Höhenmetern keuchen, ein Gefühl wie ins tiefste Himalaya einzusteigen!
Oben die Enttäuschung, die Wege auf dem Grat sind links und rechts zugewachsen, nichts mit dem erhofften Panoramablick...

Der Aufstieg Aussichtsplattform Der Grat Blick auf den Moloch Dragon stadium westlake

Nach dem Abstieg entdecke ich einen der Millionen kleinen Parks die sich hier in aller Regelmäßigkeit an Flüssen und Freiflächen langschlängeln und beschließe noch ein paar Fotos zu schießen, bevor ich mich irgendwo zum Essen hinbegebe!

Fontänen Abendsonne Baden nicht empfohlen Der Berg ... Typischer Platz My hood

Essen in China ist eine feine Sache. Zugegebenermaßen wirkt es für unsere Verhältnisse oftmals unhygienisch und einige Speisen ließen sich nur schwer stilvoll umschreiben außer vielleicht mit Begriffen wie "exotisch" oder "ungewohnt" (An dieser Stelle sei jedem eine kräftige Nase Stinketofu empfohlen!) aber wozu sind wir schließlich Allesfresser. Die Chinesen scheint Ihr Essen zumindest nicht nachhaltig auszudünnen!
Wie habe ich letztens in interkultureller Kommunikation gelernt:
"Ihr Europäer macht das völlig falsch, Ihr zerstört eure Gastronomie. Das Essen ist viel zu teuer, man kocht nur noch zuhause und das schadet der Gemeinschaft und der Gesellschaft"
Recht hat der Mann!

Markt

Traditionell essen gehen in China ist wahnwitzig billig. Selten kostet eine Speise (wir reden hier von Hauptgerichten) mehr als 1 Euro und selbst wenn man anspruchsvoller und ausgelassener dinniert, muss man selten mehr als 10 Euro bezahlen. Man geht sowohl abends als auch mittags und morgens ins Restaurant. Das geht schneller, schmeckt besser und schont zum Teil sogar den Gelbeutel. Was die Kochkunst betrifft, sind wir den Asiaten hoffnungslos unterlegen. Was Sie auf den Teller zaubern und an Geschmacksexplosionen verursachen können ist phänomenal. Sei es die Zubereitung von Fleisch jeder Art, Gemüse oder auch Beilagen. Die Nudeln schmecken besser, der Reis sowieso und selbst Kartoffeln werden zum Vergnügen. Man merkt sofort wie puristisch die deutsche Küche dagegen anmutet. Kartoffeln werden eingelegt, mal scharf mal fruchtig, Auberginen gedünstet und Fleisch hauchzart und trotzdem intensiv zubereitet. Es gibt keine klare Trennung, alles vermischt sich zu einem Konglomerat von ESSEN, aus dem jedoch immer wieder besondere Nuancen hervorstechen. In Verbindung mit dem Preis einfach phänomenal! 

Meistens pendel ich jetzt morgens vom Wohnheim zum Campus und wieder zurück.
Die Fahrt dauert ungefähr eine halbe Stunde und der Bus entführt mich täglich neu, zieht mich tief hinein in diesen wuselnden, gigantischen Moloch verschiedenster Einflüsse und Entwicklungen. Wo man hinschaut riesige Häuserschluchten, hunderte von Großbaustellen, eine Werbetafel nach der Anderen für neuen, billgen und exklusiven Wohnraum. Wie weit kann ein urbaner Raum expandieren bis er platzt? Dann zwinkerst du und plötzlich siehst du dich umgeben von viktorianisch angehauchten Villen, nur um dich 2 Minuten später klassisch chinesischer Bautradition gegenüber zu sehen. Alles folgt einem Rhytmus der sich einem nicht so schnell entschlüsselt aber wenn, seinen ganz eigenen Reiz entwickelt...


Weg home corner they love poodles, e-bikes and boys! still existance GET OUT!

Die Kurse sind genial. 20 willige chinesische Tandempartner und ein Deutscher in den Kursen, in Denen es sich hauptsächlich um wisschenschaftliche Untersuchungen zu interkultureller Kommunikation, Diskursanalayse und Migrationspolitik an den Beispielen Deutschland und China dreht. Man lernt hier Vieles auf so verdammt amüsante und spannende Art und Weise über die Eigenheiten und die Unterschiede der chinesischen Gesellschaft und Ihre Selbstwahrnehmung aber eben auch über deren Bild von uns Deutschen und Deutschland allgemein!!! Solche Erfahrungen sind wirklich nur im Ausland möglich...

Campus Wohnheim Campus Campus Einlass der Uni Campus


25Sept
2013

First day at University

Et is wie et is näch, nach 3 Wochen Eingewöhnungszeit ist es nun an der Zeit auch mal mit dem Studieren anzufangen...
Wie es sich für jede gute Universität gehört, ist auch an der "Zhejiang University" die interne Organisation unter aller Sau. Erinnernd an Asterix und Obelix Odyssee nach dem Passierschein A38, weiß prinzipiell erstmal niemand irgendwas, kennt aber immer noch jemanden, der vielleicht auch nichts wissen könnte!
Es hat geschlagene 3 Wochen gedauert, bis wir auf eigene Faust herausgefunden haben, dass es sehr wohl auf Englisch gelehrte Kurse gibt und sogar ein großes germanistisches Institut mit "deutschen! Kursen existiert.
Offiziell teilte man uns allerdings bis zum Schluss mit:
"Was, englische Kurse? Haben wir hier nicht!"
- Tolle Wurst -
Wer nach mir vorhat an dieser Uni zu studieren und auch einige Wörter zu verstehen hofft, sollte sich beim Master (graduate) Tisch vorstellen und darauf hinweisen, "exchange student" zu sein. Es eröffnen sich einem WELTEN!
Andernfalls wird man als "language student" abgeschoben und fristet von da an die nächsten 6 Monate seines Lebens in der Clipschulklasse: "Chinesisch für Anfänger"!

Heißt: 20 Stunden die Woche, an 5 Tagen Chinesisch in Grammatikkursen, Sprechkursen und Hörkursen. 2 Stunden Hausaufgaben und endloses Wiederholen im Unterricht inklusive. Wer nicht zufällig vorhat nach seinem Auslandssemester Chinese zu werden, sollte die Finger davon lassen!!!!

Mein erster Masterkurs auf Englisch also:
"Nation, Ethnicity and Nationalism in China"
Thema: Die Konflikte zwischen Japan und China Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des 2. WK´s, aus der Sicht eines chinesischen Professors, der sich selbst als "pro japanisch" bezeichnen würde.
Alles in allem auf 4! Stunden gestrecktes Wikipedia Wissen (Ja, einige Kurse dauern hier gern auch mal mehrere Stunden) mit sympathischem Unterton.

Übrigens:
Ich musste den Traum mit der eigenen Wohnung leider unter Schmerzen und einigen vielleicht sogar mehreren imaginären Tränen begraben! Man lässt mich nicht aus dem Wohnheim raus!
Ich köööönnnnnnte flüchten..., nur hätte ich dem Borgkubus dadurch 300 Euro in den Rachen geschoben und eher kapituliere ich freiwillig!!!! :o
Aus Frust habe ich mir heute eine Anlage gekauft!
Sie ist laut, von einer mir unbekannten chinesischen Firma und Sie war verdammt billig!!
Mein Vater wird an diesem Punkt wie immer die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ob meines fehlenden Sinns für die Ästhetik des Hörens.
Aber hier geht es ums Prinzip, ich habe mir (zumindest ein kleines bisschen) vorgenommen, ab heute AKTIV meinen koreanischen Inquisitor zu malträtieren und wenn es mit schlechten Höhen und übertriebenen Bässen getan werden muss:

- FÜR DAS UNSCHULDIGE KLO UND WEIL ER DAS VERDAMMTE ZIMMER BESETZT!!!!

Ursprünglich hatte ich ja vor mir tolle neue westliche Kopfhörer zu besorgen (Meine Alten pendeln wahrscheinlich immer noch in irgendeinem Taxi quer durch Hangzhou...)
und zu meiner Freude habe ich dann heute auch wirklich ein 7!- stöckiges Elektronikkaufhaus entdeckt.
Ihr müsst euch vorstellen, dass ist wie "Zehnmeds" kleines Elektrolädchen auf der Karl - Marx - Straße in gigantisch und mal 1000!
"Läden"..., also "Geschäfte" so wie wir sie kennen, finden die Leute hier einfach nicht so prall! Dafür eröffnet sich einem das Schlaraffenland des halblegalen Elektronikmekkas. Gott, manchmal wünschte ich mir hier wirklich, ich wäre der chinesischen Sprache zumindest rudimentär mächtig. Was könnte man nicht alles abgreifen! So bin ich lediglich aber zumindest maßlos überfordert und schlender, versucht lässig, von einem zum nächsten Stand. Allein die zig´ Lötkolben an jedem Handystand lassen mich jedoch heftigst grinsen. Alles Neuware! Jaaaaa natüüüüüürläääääch!!!!
Leider lässt sich trotz des angestrengten Versuches meinerseits nur schwer verbergen, dass ich irgendwie anders als der typische Chinese aussehe und so gerate ich zuhauf ins Visier tüchtigster Geschäftsleute die mir allerlei, ja keine Ahnung, "Zeuchs" andrehen möchten. Ohne Handy mit Internet und dem guten alten Amazon wäre man hier vollends aufgeschmissen, denn gerade westliche Marken werden gern weit über Marktpreis verkauft!

Jetzt sitze ich zuhause, lausche meiner herrlich verzerrt klingenden 30 Euro Anlage (aber laut), der ich den Vorzug gegenüber den Kopfhörern gegeben habe und versuche verzweifelt mir vorzustellen, die nächsten 2 Monate in dieser Zelle zu verbringen. Das muss dann wohl die Strafe für den verweigerten Grundwehrdienst und den mehr schlecht als recht absolvierten Zivildienst sein, die mich hier einholt...
China frisst wirklich jeden! Lachend

 



24Sept
2013

Zeit als Variable

Diese Stadt ist riesig!
Erst mit der Zeit bekommt man ein echtes Gefühl für die Dimensionen die hier vorherrschen.
Anfangs dachten wir noch, Wikipedia hätte sich verschrieben, inzwischen sind wir uns sicher:

Hangzhou ist tatsächlich gute 16 Mal so groß wie Berlin.
Das äußert sich in der Realität wie folgt:
Du schaust auf die Karte, erspähst dein Ziel, schätzt die ungefähre Entfernung und bist am Ende Scheiße froh, dass du dich spontan doch noch für die 30 minütige Taxifahrt, gegenüber dem eigentlich angedachten "lockeren Bummel" entschieden hast.
Am Wochenende habe ich Freunde besucht. Diese "besitzen" ein Haus am Rand Hangzhous. Als ich endlich ankam, war ich ernsthaft unsicher, ob ich mich überhaupt noch in China befinde...
Leider täuscht dieser Fakt, ebenso wie die gigantische Einwohnerzahl von knapp 10 Millionen Menschen nicht darüber hinweg, dass man das Gefühl bekommt in einem winzigen Provinzkaff zu leben. Geht man abends aus, trifft man stets die selben Leute, es sind immer wieder die selben 10 Clubs die in aller Munde sind und stark frequentiert werden und das eigentliche Zentrum der Stadt ist relativ überschaubar.
Man sollte es sich nicht mit den Russinnen versauen... Lachend

Das Wohnheim "by the way" ist ein schlechter Witz. Maßlos überteuert gegenüber den Wohnungen die man außerhalb des Campus mieten kann und rein logistisch ein einziges Desaster. So müssen sich unsere Eltern im Osten gefühlt haben. Assimilierung und Degradierung. Der Mensch nicht als Individuum sondern als Paket, Stauraum benötigend.
So eine Politik habe ich noch nie erlebt. Deine Meinung, deine Wünsche und Probleme, ja teilweise reinste LOGIK, völlig belanglos! Es gibt Vorschriften und die werden eingehalten!

Beispiel gefällig:

Zwischen dem 2. und 3. September drängt eine Welle neuer Studenten in die "dorms".
Es gibt ausschließlich Doppelzimmer. Der Wert eines Doppelzimmers beträgt im Monat 300 Euro. Finden sich für ein Zimmer 2 Leute, werden Diese 300 geteilt. Pardon sprach ich von "finden"? Man wird natürlich eingeteilt, ohne Möglickeit zur Interaktion. Bekommst du keinen Partner, bist du gezwungen für ein hotelähnliches winziges Doppelzimmer das Doppelte deiner Nachbarn zu bezahlen, einfach weil du allein im Zimmer wohnst. Du wirst gezwungen für 3 Monate im Voraus zu bezahlen, völlig unabhängig von deinen weiteren Plänen. Möchtest du innerhalb dieser 3 Monate wieder ausziehen, bekommst du dein Geld nur, wenn dein Zimmernachbar (den du vor vielleicht 3 Wochen zum ersten Mal gesehen hast und mit dem du vielleicht nicht mal kommunizieren kannst) sein Okay gibt. Nur warum sollte er das tun? Schließlich muss er sobald du ausgezogen bist die doppelte Miete zahlen... RICHTIG, dein Zimmernachbar wird zum Gefängniswärter deines eigenen kleinen Alcatraz!

So wie es aussieht, versaut mir das gerade die Möglichkeit in eine verdammt schöne Wohnung umzuziehen...

07Sept
2013

First weeks!

 

 

Es gibt Dinge die kann, muss man aber nicht haben! Ich überlege inzwischen länger die taktvolle Konfrontation mit meinem „roommate“ zu suchen. Wir haben Tag 5, das Klo ist immer noch von den Eskapaden seines 1. Tages gezeichnet, sprich zugeschissen und wie erklärt man jemandem, dass er gefälligst seinen „Scheiß zu klären“ hat?!

Apropos Verdauung, wer vorhat nach China zu gehen, sollte das vorher mit Magen und Darm bequatschen. Viel mehr als „what the fuck“ werden Diese in der ersten Zeit nämlich nicht denken!!! Das Essen ist höllisch scharf, höllisch anders und irgendwie seltsam. In Kombination mit dem ständigen Gestank in den Straßen und den eher östlich anmutenden Etablissements, können schon mal Zweifel ob der Hygiene oder des Herkunftsortes der Speisen aufkommen… Definitiv SAW 1-7 für den Torso, nicht umsonst sprechen offizielle Zahlen von bis zu 60% Betroffener von Diarrhoe in China.

 

Es ist zu empfehlen vorsichtig zu beginnen, sprich Reis, Reis und noch mehr Reis.
Nudelsuppen, generell nur gekochte Speisen, keine Rohkost oder wie die ganz Mutigen direkt von der Straße weg…
Vermeiden wird man gewisse Probleme jedoch nicht können, denn es fehlt ganz einfach an Alternativen. Die Chinesen kennen kein Frühstück und kalte Kost ist absolut untypisch und verpöhnt. Es bleibt, insofern man nicht vorhat während des Aufenthaltes 10 Kilo abzunehmen, nur der Gang zum örtlichen Koreaner, Vietnamesen oder eben Chinesen,
  siehe oben!
Auch Supermärkte schaffen da nicht wirklich Abhilfe, so gut wie kein Käse oder „Aufstrich“ jeglicher Art, nur süßes Brot, Wasser ohne Kohlensäure und fast ausschließlich typische Landesküche!  Da es in unserem Wohnheim weder einen Kühlschrank noch ein Kochfeld gibt, wird das wohl, hoffentlich im Gegensatz zur Toilette, für die gesamte Zeit ein Problem bleiben…

06Sept
2013

Ankommen... oder kein Anis!

 

Wieder ein Abend im Ellens, der Reinkarnation einer apres ski Bar mitten im Herzen Hangzhous! Es ist bereits der 2. innerhalb von 4 Tagen.

 

EllensEllens

 

Es gibt Bier, es gibt überirdisch laute westliche Chartmusik und Hunderte „ausgehungerter“ Austauschstudenten auf der Suche nach „was noch so geht“. Sie alle werden im "COCO BANANA" enden, dem“ Maxxim“ Hangzhous. Testosteron, Östrogen, es stinkt nach Paarung, nach Ritual! Touris wie Sie überall auf der Welt Ihr Unwesen treiben. Zwischendurch vereinzelte Chinesen. Das ist nicht China, nicht das China das ich erwartet habe. 

City

Die Straßen sind frisch asphaltiert, man fährt Porsche, Audi, Bmw und Volkswagen. Hier und da hört man Lamborghinis oder Aston Martins an sich vorbeirauschen. Selten sind die Wagen älter als 2, 3 Jahre.  Mäccen, KFC und Subway kreuzen unsere Wege und H&M, Jack and Jones und Zara leuchten uns den Weg vom „lake west“ zurück zur Uni. Ich kaufe noch eben Klopapier, Tempo Taschentücher und eine der 100 verschiedenen Ausführungen von „Head & Shoulders“. Der Westen hat längst diesen Teil Chinas eingeholt. Alles wirkt ein bisschen sauberer, größer, irgendwie ausgefüllter - Deutschland das Provinzkaff.  Nebenbei bemerkt ist der „lake west“ wirklich atemberaubend schön und vor allem atemberaubend schön in Szene gesetzt. Nie wirkte eine „skyline“ schöner als vom Ufer des Sees aus. Die Lichtinstallationen, die Tempel und Pagoden sowie die Gärten und die Berge im Hintergrund verleihen der gesamten Umgebung etwas Magisches.

 

West lake West lake West lake West lake West lake West lake West lake West lake

 

Heute sind ich und Daniela, die einzige weitere Stipendiatin der TU, mit meinem koreanischen Mitbewohner aus dem Wohnheim unterwegs.  Wohnheim das bedeutet:  150 Euro (1200 Yuan) im Monat für ein Doppelzimmer, Ventilator an der Decke, Balkon und ein Bad mit echtem Klo, Dusche und Waschbecken.
Mein „Zimmergenosse“ ist 43, bleibt für 3 Jahre und hat in Korea schon 2 Bücher veröffentlicht. Hier will er am 3. arbeiten. Er raucht und spielt gern Tischtennis. Das Faultier und das Arbeitstier… Warum immer ich?!

 

Raum Klo

 

Keine 10 Minuten vor der Bar (die Musik ist einfach zu laut), kommt die erste Chinesin auf uns zu:  „You look totally like David Beckham“ – „No, not at all“. Sie ist 24, wie Sie selbst behauptet eine „loco“ und arbeitet als Englischlehrerin. Sie flirtet, ist unheimlich anhänglich und extrovertiert. Sie hat keinerlei Berührungsängste, wirkt zum Teil regelrecht befremdlich aufdringlich, bis Sie mir nach einiger Zeit klar macht, Sie wäre nur der „wingman“ für Ihre Freundin Jessica. Die hätte uns gestern schon gesehen, wäre aber zu schüchtern gewesen, zu uns zu kommen. Jessica ist im Übrigen ebenfalls Chinesin. Durch Sie erfahre ich, dass ich im Jahr des Drachen geboren bin (1988, alle 12 Jahre), es 12 verschiedene äquivalente Tiere zu den Jahren gibt, angefangen mit der Ratte und immer so weiter bis zum Drachen, dass die 8 und die 4 wirklich die Ihnen zugesprochenen Bedeutungen haben und dass chinesische Männer bei „first dates“ stets zuerst wissen wollen, ob die Frauen noch Jungfrauen wären, denn Sie wollten „pure girls“. Sogar der Süden scheint irgendwie Einzug gehalten zu haben…

Im Verlauf des Abends finden wir heraus, dass es in Korea kein Anis gibt und generell anscheinend nur Rum und Whiskey existieren. Lakritze ist ein Fremdwort!  Am Ende hat unserer koreanischer  Freund den ersten 70%igen Absinth seines Lebens intus und mit 2 Franziskaner Hefe nachgespült. Er torkelt leicht benebelt aber glücklich beseelt mit uns zurück zum Wohnheim. Für morgen hat er uns bereits zum Essen beim Koreaner eingeladen…

02Sept
2013

Stuff to do

Ein halbes jahr im Reich der Kaiser, Mauern und Tempel.

10.000 Kilometer entfernt, am anderen Ende der Welt, in einem Land dessen Sprache mir als unlösbares Rätsel erscheint.
Niemals werde ich mich in der Zukunft hilfloser fühlen als innerhalb dieser Kultur, soviel steht fest.

In Deutschland lediglich zum U Naturkundemuseum, 60 Euro auf den Tisch gehauen, 3 Tage später hatte ich mein F- Visum in der Tasche (180 Tage, einmalige Einreise).
Möchte man mehrmals einreisen (vor allem wichtig, wenn man vorhat Hong Kong oder das Himalaya zu besuchen) muss man vor Ort auf dem Campus das Visum "tunen" lassen. Ist ein unkomplizierter Vorgang.

Am 2. September werde ich anreisen. Registrierung für die "undergraduates" ist vom 2. - 3. September. Ich kann nur jedem empfehlen, so kurz wie möglich vor geplantem Reiseantritt zu buchen. Man ist bis zur letzten Sekunde sicher und die Flugkosten sind stabil, 2 Tage vorher zum Teil sogar billiger als wenn man Monate im Vorraus bucht.

Aeroflot sind es geworden, 430 Euro, 14h Flugzeit, einmal umsteigen in Moskau. Berlin- Moskau fliegt man in 2 Stunden, Moskau- Shanghai in 8h. Guude Airline! Die Flotte ist neu, es handelt sich hier um eine der Transitstrecken (Aeroflot fliegt diese route 3* täglich) und die Ausstattung ist ordentlich. Beide Flüge sind auf die Minute pünktlich, ich fand sogar das Essen... "interessant".

In Shanghai angekommen, durch die Visakontrolle direkt Richtung "Long Distance Bus".
Es gibt 2 Möglichkeiten schnell vom Pudong airport nach Hangzhou zu kommen:

Variante 1) "long distance Bus"

Dieser fährt direkt vom Pudong airport und zwar alle Stunde ab 8:00 Uhr.
Preis ist 110 Yuan und die Fahrt dauert 2 Stunden.

Variante 2) Der "Highspeed train"

Dieser fährt leider nicht vom Puding airport, man muss also entweder zuerst U-Bahn oder Taxi fahren. Der Preis ist höher, dafür dauert die reine Fahrt sehr viel kürzer. Rechnet man die Anfahrt zum Bahnhof in Shanghai und die Strecke vom Bahnhof Hangzhou zum Wohnheim mit dazu, nehmen sich beide Routen nichts.

Der Bus ist im Ergebnis einfach komfortabler. Von der Station sollte man ein Taxi ins Wohnheim nehmen, da man grundsätzlich überfordert sein wird mit dem Stadtbild und/ oder dem öffentlichen Nahverkehr.

Taxi 

Wichtig:
Die Taxifahrer sprechen NIEMALS Englisch und tun sich zum Teil sogar mit Pinyin oder Karten schwer.
Erster Anlaufpunkt sollte stets der Yuquan Campus sein, dazu dem Taxifahrer einfach deutlich sagen:

"XiXi Lu (die Straße), Yuquan Daxue (Yuquan Universität/Campus)"

Normalerweise wird vor allem "XiXi Lu" stets verstanden.
Ist man auf dem Campus, hat man das Schlimmste überstanden!